Schuberts Zyklus ist kein schönes Ausstellungsstück. Er erzählt von Einsamkeit, Entfremdung, Verlust und Sehnsucht – und von der leisen Möglichkeit von Hoffnung.
Julia Aldinger und Stefan Bien lösen die Winterreise aus der reinen Konzertform. Stimme, Klavier, Körper, Raum und Stille treten miteinander in Beziehung.
Inszenierung nach Lea Willeke. Die mehrfach ausgezeichnete Musiktheater-Regisseurin studierte Regie an der Hochschule für Musik Hanns Eisler Berlin.
„Sie müssen schon einiges erlebt haben, um die Winterreise so zu singen.“
Stimme aus dem Publikum
„Ich habe sie schon oft gehört, aber das war einmalig.“
Stimme aus dem Publikum
„Nein, das geht gar nicht, das können Sie so nicht machen.“
Auch Widerspruch gehört zu dieser Arbeit
Biografische Nähe
Warum diese Winterreise?
Der Sänger steht nicht neben dem Flügel. Er steht im eigenen Abgrund.
Ein Ex-Topmanager nach Burnout und suizidaler Grenzerfahrung singt Schuberts Winterreise – eine Wissenschaftlerin kehrt an den Flügel zurück.
Ein Mann, der gelernt hat, Kontrolle zu verkaufen, verliert die Kontrolle über sich selbst. Eine Frau verlässt die Wissenschaft und kehrt zurück zu dem Instrument, aus dem sie kommt. Beide treffen sich bei Schubert.
Die Frage ist nicht:Wie schön kann man Schubert singen?Sondern:Wie nah darf Kunst an einen Menschen heran?
Klavier & Stimme
02
Nicht anschauen. Erleben.
Der Raum wird Teil der Erzählung.
Der Sänger bleibt nicht neben dem Flügel stehen. Das Publikum bleibt nicht in sicherer Distanz. Nähe, Bewegung, Blick, Atem und Stille werden zu musikalischen Mitteln.
So entsteht ein Erfahrungsraum: unmittelbar, verletzlich, intensiv.
„Man hätte eine Stecknadel fallen hören.“Stimme aus dem Publikum
Julia Aldinger entstammt einer deutsch-russischen Pianistenfamilie. Ihr Vater, selbst Konzertpianist, prägte früh ihre musikalische Sprache. Ihr Studium führte sie nach Dresden, Weimar und St. Petersburg; wichtige Impulse erhielt sie außerdem in Meisterkursen bei Peter Schreier, András Schiff, Gerold Huber und Olaf Bär.
Nach intensiver Konzerttätigkeit entschied sie sich für Familie und Wissenschaft und arbeitete mehrere Jahre in der Krebsforschung am Helmholtz-Institut. 2024 kehrte sie zu ihren Wurzeln zurück: als Liedpianistin. Heute unterrichtet sie Klavier am Landesgymnasium für Musik Dresden.
Ihr Spiel verbindet Leichtigkeit, Klarheit und eine besondere Sensibilität für Sprache, Atem und seelische Zwischenräume.
„Frau Aldinger spielt den Schubert mit solch einer Leichtigkeit – einmalig.“Stimme aus dem Publikum
Bariton
Stefan Bien
Stefan Bien war Topmanager und Geschäftsführer eines internationalen Unternehmens im Online-Marketing – unterwegs in einer Welt aus Start-up-Wachstum, Konzernlogik, M&A, Zielsystemen und permanenter Selbstoptimierung. Nach einem Burnout und anschließenden Jakobswegen entschied er sich, seiner inneren Stimme zu folgen, Schuberts Winterreise einzustudieren und szenisch aufzuführen.
Mit zwölf Jahren hörte er zum ersten Mal Schuberts Winterreise. Heute singt er den Zyklus als Bariton nicht aus akademischer Distanz, sondern aus biografischer Nähe. Die seelischen Abgründe des Wanderers sind für ihn keine historischen Motive, sondern Erfahrungsräume.
Wichtige künstlerische Impulse erhielt er unter anderem von Olaf Bär, Jean-Noël Briend, Jean Luca Terranova, Burkhard Kosche, Tobias Berndt und Jan Fackelmann. Seine Interpretation verbindet persönliche Erfahrung, existenzielle Dringlichkeit und den Mut, Schuberts Musik nicht nur zu singen, sondern zu durchleben.
„Sie müssen schon viel erlebt haben, um das so singen zu können.“
„Sie werden Ihren Weg sicher gehen, toi, toi, toi.“Thomas Quasthoff
Unsere Mission
Lied kann berühren. Lied kann innere Prozesse anschieben. Lied kann Menschen erreichen, die sich selbst vielleicht längst für unerreichbar halten.
06
Vorhören
Die Winterreise zum Hören.
Ein Album und ausgewählte Lieder aus Schuberts Zyklus. Hör hinein – und erlebe die Musik am 2. Oktober im Raum, ganz nah.